Keine Angst vor fremden Tränen!

von Chris Paul, Gütersloher Verlagshaus, Verlagsgruppe Random House GmbH München, 2013

Vielen Menschen fällt es schwer, mit Trauernden umzugehen. Sie haben Angst, etwas falsch zu machen oder nicht die richtigen Worte zu finden. Wie begrüße ich die Kollegin, die nach dem Tod ihres Mannes wieder zur Arbeit kommt? Was mache ich, wenn jemand immer wieder von seinem toten Kind sprechen will?
Chris Paul, Leiterin des Trauerinstituts Deutschland, legt mit diesem Buch einen umfassenden Leitfaden für den Umgang mit Trauernden vor, der Sprach- und Hilflosigkeit überwinden hilft, zur Anteilnahme ermutigt und den Abbau von Ängsten und Überforderung ermöglicht. 

Hat Opa einen Anzug an?

(Bilderbuch)

Amelie Fried / Jackie Gleich (Illustr.), Carl Hanser Verlag München, 1997

Bruno mochte seinen Opa sehr, nun ist er fort. Die Erwachsenen sagen, Brunos toter Opa sei auf dem Friedhof oder im Himmel. Beides geht wohl nicht. Bruno ist wütend und traurig. Vor dem Schlafengehen betrachtet er das Bild von Opa und spricht mit ihm. Für ihn ist Opa als schöne Erinnerung in seinem Herzen.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

(Jugendroman)

John Green, Carl Hanser Verlag München, 2012

Die 16jährige Hazel hat Krebs. In einer Selbsthilfegruppe lernt sie Gus kennen. Mit ihm kann sie diskutieren, Musik hören. Sie verlieben sich ineinander. Gus lässt Hazels großen Traum wahr werden: gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam. – Ein wunderbares Buch, die Jugendlichen verlangen Ehrlichkeit, fordern sich und ihre Familien heraus.

Gian Domenico Borasio: "Über das Sterben."

Ein Standardwerk zu Tod und Sterben

Gian Domenico Borasio: "Über das Sterben. Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen", C.H. Beck, 207 Seiten

2012, ISBN 978 3 406 61708 9, Verlag C.H.Beck, München

"Über das Sterben": Das klingt nüchtern, dabei ist beim Sterben nichts mehr nüchtern. Der Tod wird oft als ärztliches Scheitern begriffen, er findet im Verborgenen statt, meist in Krankenhäusern, fern von der Familie - obwohl das keiner will. Geburt und Tod gehören zum Leben, sie laufen dann am besten ab, wenn sie möglichst wenig gestört werden.



Ausführlich erklärt Borasio, wie Sterben abläuft, was Organtod oder Hirntod ist. Er beschreibt die Orte des Sterbens, die Sterbebegleitung - wie sie ist und wie sie im Idealfall sein sollte, hin zu der Frage, was der Mensch tatsächlich am Lebensende braucht.

Es geht um eine existenzielle Frage: die der Würde bis zum Ende. Borasio benennt die schlimmsten Fehler der medizinischen Versorgung am Lebensende und erklärt, wie man sich am besten davor schützt - einschließlich konkreter Hinweise zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Denn viel zu oft würden sich Ärzte über den Willen ihrer Patienten hinwegsetzen und alles tun, was medizinisch und technisch möglich ist. Damit tragen sie aber eher zur qualvollen Sterbeverzögerung als zur sinnvollen Lebensverlängerung bei.

Sterben - das wird schnell klar - ist auch aufseiten der Ärzte ein belastendes Thema. Unwissen und Ängste steuern oft ihr Handeln. Da wäre das Beispiel Schmerzbehandlung. Die Angst der Ärzte vor Morphin sei immer noch weit verbreitet, so der Palliativmediziner. Sie befürchteten, das starke Schmerzmittel würde die Atmung bremsen und damit den Tod herbeiführen. Entsprechend zurückhaltend wird das Mittel verordnet. Dabei ist längst erwiesen, dass dem nicht so ist. 

M. van der Maten

Wie man unsterblich wird- Jede Minute zählt

Sally Nichols, aus dem Englischen von Birgitt Kollmann

Carl Hanser Verlag 2008

Sam ist 11, hat blaue Augen, ist für sein Alter recht klein und hat Leukämie. Ebenso wie sein bester Freund Felix. Gemeinsam fangen die beiden an zu überlegen, Fragen zu stellen. Warum lässt Gott Kinder sterben? Welche Arten von Nahtoderfahrungen gibt es (Kobolde mit Mistgabeln oder ein Engel?)? Alle Antworten und Feststellungen schreibt Sam in sein Tagebuch. Wie auch seine Wünsche: Ein Mädchen küssen. Einen Weltrekord aufstellen. Ein ganz normaler Teenager sein…

Der Anfang ist klar. ‘‘Mein Name ist Sam. Ich bin 11 Jahre alt. Wenn du das hier liest, bin ich vermutlich schon tot. ‘‘ Und dadurch auch das Ende. Aber das spielt keine Rolle. Anstatt zu jammern und sich zu beschweren, gehen Felix und Sam das mit ihrer Krankheit gelassen und wunderbar aufrichtig an. Sehen die Nachteile (Haare fallen aus), und die Vorteile (nur dreimal die Woche Schule). Schreiben auf, was sie unbedingt mal machen wollen und auf unkonventionelle Art und Weise verwirklichen sie ihre Träume.

Es ist ein Buch voller Gegensätze, lustig, traurig, bewegend und zum Nachdenken anregend. Sally Nichols schafft etwas Unglaubliches, sie verbindet Tod und Lebensfreude. Und das ohne jeden Schleim oder bittere Süße.

 

Lea Balkenhol